Mit großer Besorgnis haben wir von den Plänen des Landkreises Friesland und dem Rat der Stadt Varel Kenntnis genommen, die Oberschule in Obenstrohe kurzfristig zu schließen. Die abschließenden und endgültigen Abstimmungen darüber sollen bereits bis Mitte Dezember 2019 – vor Weihnachten und noch in diesem Jahr – abgeschlossen sein. Unter der Voraussetzung, dass sich für den Beschluss dieses Vorhabens eine Mehrheit finden sollte, werden danach statt bisher zwei Oberschulen in Varel und Obenstrohe nur noch eine Oberschule allein in Varel vorhanden sein, die Unterricht anbietet.

Mit aller Entschiedenheit protestieren wir gegen die Schließung der Oberschule in Obenstrohe. Ein Verzicht auf diese allseits geachtete und für ihre engagierte Tätigkeit bekannte Schule kommt für uns unter keinen Umständen in Frage. Das Bildungsangebot in Varel wäre deutlich geschwächt, eine Schließung ist nicht hinzunehmen.

Landauf landab bestärken sich Politiker aller Parteien gegenseitig in dem Vorsatz, in Deutschland eine große Bildungsoffensive in Gang zu setzen. Gleichzeitig werden nunmehr auf allen politischen Ebenen bedeutende Geldmittel für dieses Vorhaben bereitgestellt. Kürzlich hat es eine Änderung des Grundgesetzes gegeben, so dass in Zukunft die Bildungshaushalte der Länder, die für die Qualität des ganzen Schulwesens zuständig und verantwortlich sind, mit Finanzmitteln des Bundes aufgestockt werden können. Ganz offensichtlich hat sich allgemein die Überzeugung durchgesetzt, dass die Wahrung der Chancen für Bildung und Ausbildung eine Voraussetzung für ein selbst bestimmtes Leben sind. Diese Einsicht ist in Friesland möglicherweise noch nicht angekommen: Hier soll eine wichtige und unverzichtbare Schule in einer Nacht- und Nebelaktion geschlossen werden.

Wie passen eigentlich die politischen Signale zusammen, die in unserer Stadt gesetzt werden? Als es um den geplanten Discounter im Dorf ging, konnte der überhaupt nicht groß genug sein. Bedenken gegen mögliche Konkurrenzsituationen in Varel und Büppel wurden mit leichter Hand beiseite gewischt. Es ginge doch schließlich darum, einen jungen und aufstrebenden Ort mit allem zu versorgen, was denn zum Leben nötig sei. Es sei zudem mit steigenden Bevölkerungszahlen zu rechnen, der Zuzug und Nachfrage nach Bauplätzen sei ungebrochen. Da schließt sich prompt eine Frage an: Eine leistungsfähige gute Schule mit einem gediegenen Bildungsangebot würde da doch ins Bild passen? Aber nein, da muss es dann offensichtlich ganz andere Überlegungen geben, die uns verborgen sind: Die Schule wird geschlossen, so ist zumindest der Plan.

Hier ein Vorschlag zu den angeblich zu geringen Schülerzahlen in Obenstrohe: Alle Oberschüler aus der Landgemeinde gehen zur Schule in Obenstrohe, da sind dann auch die Schüler aus Büppel dabei. Für die Schüler aus dem Stadtgebiet ändert sich nichts. Bei etwa gleichen Einwohnerzahlen im Stadtgebiet und in der Landgemeinde werden so auch die Schüler gerecht „verteilt“ – beide Systeme wären auf Jahre hinaus „überlebensfähig“. So war es auch schon mal, und es hat gut funktioniert.

Der Vorläufer der Oberschule zur Erkennung des Neigungs- und Leistungspotentials der Kinder war die Orientierungsstufe, die jedoch in vielerlei Hinsicht dieser Aufgabe wegen der kurzen Dauer und auch organisatorischer Unzulänglichkeiten nicht gerecht werden konnte. In der Oberschule erhalten die Kinder durch einen längeren und auch sorgfältig ausdifferenzierten Unterricht bis zum Abschluss der Sekundarstufe I genügend viele Möglichkeiten, ihre weitere schulische Ausbildung zu planen und vorzubereiten. Eine behutsame Begleitung der Eltern und Lehrer hilft in jedem Fall, die Bildungschancen der Kinder möglichst weit auszuschöpfen. Auch deshalb ist ein enger Kontakt zwischen den Eltern und der Schule ein großer Vorteil für die Bildungschancen der Kinder.

 

Cornelia Papen
für die KLARE KANTE – Wählergemeinschaft für Varel und Friesland